Screenshot des Blogs von Professor Winfrid Stöcker

05.02.2021 Prof. Stöcker hat offensichtlich eine Alternative zum teuren Impfstoff

Screenshot des Blogs von Professor Winfrid Stöcker
Screenshot des Blogs von Professor Winfrid Stöcker

Prof. Winfrid Stöcker hat einen selbstentwickelten Covid19-Impfstoff vorgeschlagen und im Selbstversuch und mit Freiwilligen erfolgreich getestet. Die Frage ist, wie sich die milliardenschwere Pharmabranche und die paralysierte Politik verhalten. Aktuell ist Prof. Stöcker schon mal wegen Verwendung eines nicht zugelassenen Impfstoffes durch das Paul-Ehrlicher-Institut angezeigt (!). Aus dem Text:

„Mit einem einzigen 2000-Liter-Reaktor kann man 35 g Antigen pro Tag produzieren, das würde für 1 Million Personen reichen. Mittels eines Hochdichte-Kultursystems schafft man die fünffache Menge. Innerhalb eines halben Jahres könnte man Impfstoff für 80% der Bevölkerung Deutschlands in einem mittelgroßen Laborraum produzieren.

Ich habe das Paul-Ehrlich-Institut um die Genehmigung gebeten, diese bagatellartige Immunisierung umgehend mit einer größeren Zahl Freiwilliger nachvollziehen zu dürfen, um festzustellen, ob sie ebenso gut funktioniert wie bei mir und meiner Familie, und ob es auch bei diesen keine Nebenwirkungen gibt, einschließlich exponierter Personen. Hätte sich das PEI nicht quergestellt, hätten wir längst einen Hersteller in die Lage versetzen können, ganz Deutschland zu beliefern und wirksam zu schützen.

Anstelle auf meinen Vorschlag einzugehen, hat mich das Paul-Ehrlich-Institut kaltschnäuzig verklagt. Vielleicht weil man sich in seiner göttlichen Funktion übergangen fühlte – ich hatte ja bereits einen Versuch bei fünf (!) Personen durchgeführt (wozu ich als Arzt berechtigt bin, da kann ich für meine Therapie zusammenmischen, was ich für richtig halte: Wer sich so gut mit den Paragraphen auskennt, müsste das eigentlich wissen) -, vielleicht, um anderen Antragstellern einen Vorteil zu verschaffen, denen man sich verpflichtet fühlt? Aber ich trete nicht als Impfstoff-Hersteller auf, ich habe in dieser Sache keine Gewinnabsicht. Bewusst bin ich gleich an die Öffentlichkeit mit meiner Aktion gegangen und habe kein Patent angemeldet, damit kein anderer diesen Weg für sich allein beansprucht, sondern ich will nur eine einfache und ungefährliche Möglichkeit aufzeigen, wie man der Pandemie schnell und effektiv begegnen kann.“

Hier geht es zum kompletten Text.

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10.01.2021 Ricardo Lange berichtet beim Tagesspiegel

Berliner Intensivpfleger an der Corona-Front„Leasingkräfte werden noch nicht geimpft, dabei sind wir auf ein und derselben Covid-Station!“

Ricardo Lange berichtet jede Woche aus dem Krankenhaus. Diesmal: fehlende Impfstrategie für Leiharbeiter und Pflegekräfte zweiter Klasse. Ein Interview. JULIA PROSINGER

Ricardo Lange, 39, arbeitet als Intensivpfleger in Berlin.
Ricardo Lange, 39, arbeitet als Intensivpfleger in Berlin.FOTO: DORIS SPIEKERMANN-KLAAS

Ricardo Lange, 39, arbeitet als Pflegekraft auf einer Berliner Intensivstation. Seine Klinik ist eine der 17 Einrichtungen mit einem Covid-Schwerpunkt. Hier berichtet er jede Woche von Nachtschichten, Provisorien und Hoffnungsschimmern.

Herr Lange, Pflegekräfte wie Sie sollen zuerst geimpft werden. Haben Sie die Spritze schon bekommen?
Nein, denn ich arbeite für eine Leasingfirma, gehöre also nicht zum Stammpersonal des Krankenhauses, wo ich derzeit eingesetzt bin. Auch wenn ich seit Beginn der Pandemie fast durchgängig auf ein und derselben Covid-Station tätig bin. Doch die Klinken kriegen nur Dosen für ihre eigenen Leute, festangestellte Kollegen und Kolleginnen auf Intensiv- und Rettungsstationen sind deshalb bereits geimpft. Am vergangenen Freitag habe ich nun selbstständig versucht, an einen Code zu kommen, den man für die Spritze braucht. Ich habe die 116 117 gewählt …

… die bundesweite Infohotline fürs Impfen.
Die verwiesen mich weiter an die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Dort sagte mir eine Mitarbeiterin, es hätten schon viele andere Leiharbeiter angerufen, aber der Zahlencode, mit dem man einen Impftermin bekommt, sei für uns noch nicht verfügbar. Ich finde das skandalös! Seit Monaten kämpfen wir an der Front, aber jetzt wurden wir komplett vergessen.

Das ist auch deshalb eigenartig, weil wir erst letztes Jahr auf der politischen Agenda standen, als das Land Berlin mit einer Initiative im Bundesrat versuchte, Leiharbeit in der Pflege einzudämmen. Und nun will niemand von uns gewusst haben? Die Begründung war übrigens nicht: Es gibt nicht genügend Impfstoff. Sondern: Wir haben noch kein Prozedere entwickelt, wie Leasingkräfte geimpft werden können. Dabei wurden wir ja als besonders gefährdet, Kategorie 1 eingestuft. Deutschland, Land der Bürokratie! Übrigens höre ich von vielen Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege, die auch noch nicht dran waren. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte ja angekündigt, dass es ruckeln würde. Ich nenne das eine Vollbremsung.https://compass.pressekompass.net/compasses/tagesspiegel/finden-sie-die-coronaregeln-zu-strikt

[Die Toten der Pandemie: Der Tagesspiegel gedenkt der Berliner Opfer und erzählt ihre Geschichten]

Müsste sich nicht eigentlich Ihre Leasingfirma um so etwas kümmern?
Das tun sie – bislang erfolglos, da wollte ich die Sache selbst in die Hand nehmen. Berlin hat bundesweit den höchsten Anteil an Leiharbeitern. Und wir sind ja diejenigen, die kommen, wenn es brennt. Wenn die Kliniken mit dem Personal, das sie haben, nicht mehr auskommen. Genau wie festangestellte Pflegekräfte haben wir in den vergangenen Monaten unsere Gesundheit riskiert, unsere Familien gefährdet und Knochenarbeit geleistet. Jetzt werden wir wie Mitarbeiter 2.Klasse behandelt. Wir sind doch mitverantwortlich dafür, dass der Laden noch läuft!

[Weitere Folgen der Kolumne „Außer Atem“ mit Ricardo Lange lesen Sie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Sie hatten letzte Woche einen persönlichen Termin beim Bürgermeister Michael Müller. Haben Sie das Thema angesprochen?
Ja – und viele andere auch. Es war außerdem eine Juristin von der Senatsverwaltung für Gesundheit dabei, die unser Gespräch protokolliert hat. Herr Müller versprach, sich um das Problem zu kümmern. Ich hoffe, es ändert sich schnell etwas. Was mich nachhaltig beeindruckt hat, als ich den Regierenden Bürgermeister im Abgeordnetenhaus besucht habe, war: In diesem prunkvollen Gebäude mit schweren Teppichen und pompöser Kunst an den Wänden, stand auf Müllers Schreibtisch ein Teller mit zwei schlichten Stullen.

Ich hätte nicht gedacht, dass jemand in seinem Amt so ein einfaches Mittagessen hat. Die Ränder des Aufschnitts kräuselten sich schon, so als stünden die Brote da bereits eine Weile. Das hat mich an meine Arbeit erinnert. Immer wieder will ich von den Broten, die ich von zu Hause mitgebracht habe, abbeißen. Aber ich komme einfach nicht dazu, weil ständig irgendwer ruft.

Hier geht es zum Originalartikel im Tagesspiegel

Unser Kollege Frank Dreier

13.01.2021 Abschied von unserem Kollegen Frank D.

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Kollegen.

Frank D. ist bei Charisma Berlin seit zwölf Jahren als Pflegehelfer in der Altenpflege beschäftigt. Wir haben ihn als zuverlässigen Kollegen geschätzt, der seinen Beruf mit Liebe, Humor und Gewissenhaftigkeit ausgefüllt hat. In den Altenpflegeeinrichtungen wurde seine Mitarbeit hoch geschätzt. So wurde er häufig persönlich angefragt, wenn Hilfe benötigt wurde. Die alten Herrschaften und seine Kollegen in den Einrichtungen mochten ihn einfach.

Frank D. war ein echter Kreuzberger Junge. Er hatte den knorrigen Humor des Berliners vom Kiez. Hinter der Schale des gestandenen Mannes steckte Empathie und einfach ein gutes Herz.

Im Rahmen der Corona-Pandemie geriet Frank mit seinen eigenen Gesundheit selbst in Gefahr. Er entschied sich, mit Rücksicht auf die zu Betreuenden und seine eigene Gesundheit, während der Pandemie beruflich auszusetzen. Unsere Kontakte beschränkten sich auf kurze Besuche im Büro auf einen Kaffee, oder regelmäßige Telefonate. Von seinem überraschenden Tod erfuhren wir erst, als uns die Pause zum nächsten Telefonat zu lang wurde.

Unser Kollege Frank Dreier

Lieber Frank, ruhe in Frieden. Wir werden Dich vermissen und Du behältst einen festen Platz in unseren Herzen!

Dein Charisma Berlin Team

06.02.2020 Bewerbungen in Corona-Zeiten (Artikel von PROSOFT)

Die Corona-Krise verunsichert Arbeitnehmer. Allein im März und April sind bei den Arbeitsagenturen 750.000 Anzeigen zur Kurzarbeit eingegangen. Rund 10 Millionen Menschen sind davon betroffen (statista). Einige Firmen stehen vor der Insolvenz und es drohen Entlassungswellen. So sollen etwa 80 Filialen des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen werden. Tausende Arbeitsplätze stehen vermutlich auf der Kippe. Laut Einzelhandelsverband könnten rund 50.000 Betriebe die COVID-19 Krise nicht überstehen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Arbeitslosenzahl gestiegen. Stand Mai 2020 sind 2.644.000 Menschen ohne Job – das entspricht einer Quote von 5,8 %. Die Zahl der gemeldeten Stellen ist um 65.000 gesunken.

Die unsichere Situation auf dem Arbeitsmarkt lässt das Bewerberverhalten nicht unberührt. Laut StepStone-Umfrage sucht mehr als die Hälfte verstärkt nach einer Anstellung (Business Insider). Einer von 5 Mitarbeitern sorgt sich lauf Spiegel Wirtschaftsmonitor um seine Arbeitsstelle. Das sind doppelt so viele wie noch im Januar. 43 % der Jobsuchenden rechnen langfristig mit schlechteren Jobaussichten. 44 % gehen davon aus, dass die Verschlechterungen nur vorübergehend sein werden.

Bewerber fürchten ausbleibendes Feedback

Die Corona-Krise ist mit Auflagen im öffentlichen Leben verbunden. Trotz Lockerungen sind viele Menschen vorsichtig. So berichtete die Tagesschau z. B. von einem Rückgang an Arztbesuchen. Trotz massiver Beschwerden bleiben Menschen aus Angst vor Ansteckung zuhause. Auch Bewerber sind verunsichert: Wie läuft das mit dem Bewerbungsverfahren in Corona-Zeiten? Face-to-face mit Mundschutz oder per Skype-Interview? Aus Unsicherheit verzichtet ein Teil der Bewerber auf die Bewerbung. Mehr als die Hälfte der Kandidaten bewirbt sich nicht, weil sie kein Feedback erwarten. Dabei finden Bewerbungsgespräche zum Großteil statt. Nur eins von 7 Vorstellungsgesprächen wird wegen Corona abgesagt. Jeder Dritte Bewerber hat das Gespräch telefonisch durchgeführt, jeder Vierte über Videokonferenz.

Hier sind Arbeitgeber gefragt, um die Verunsicherung zu reduzieren. Möglich wäre eine Rubrik auf der Karriereseite zum Thema „Bewerben in Corona Zeiten“ mit Informationen zum Ablauf und möglichen Hygieneregeln. In puncto Digitalisierung sind die meisten Unternehmen gut aufgestellt, so dass sich viele Prozesse ohne Face-to-Face Kontakt online abwickeln lassen. Die Bewerberkommunikation, der Vergleich von Stellenanforderungen und Bewerberprofilen (Matching) und viele weitere Prozesse lassen sich softwaregestützt managen (E-Recruiting-Software).

Kandidaten sind bei der Jobsuche flexibler

Oft haben Bewerber konkrete Vorstellungen davon, was ihr Arbeitgeber mitbringen soll. Wer sich aus einer Anstellung heraus bewirbt, kann Vor- und Nachteile gegenüber seiner aktuellen Position abwägen. Die Corona-Krise führt dazu, dass einige Jobsuchende ihre Kriterien lockern. Über die Hälfte gibt an, seine Suchkriterien zu ändern. Kandidaten sind offen für andere Stellen oder Jobs in anderen Branchen.

Welche Fragen stellen sich Bewerber?

Unternehmen, die ihren Kandidaten Unsicherheiten nehmen wollen, können die wichtigsten Bewerberfragen online beantworten. Zum Beispiel wäre eine FAQ-Rubrik zur Bewerbung in Corona-Zeiten möglich. Der Vorteil: Arbeitgeber vermeiden ausbleibende Bewerbungen, da sie ihren Kandidaten die Sorge vor fehlendem Feedback oder andere Bedenken nehmen. Mögliche Fragen sind zum Beispiel:

  • Macht es Sinn, sich aktuell zu bewerben?
  • Stellt der Arbeitgeber trotz Corona Mitarbeiter ein?
  • Vergeben Unternehmen Ausbildungsplätze?
  • Müssen Bewerber mit längeren Feedbackzeiten rechnen?
  • Wie verläuft das Bewerbungsgespräch?
  • Wie läuft ein Video- oder Telefoninterview ab?
  • Welche Software ist dafür erforderlich?
  • Welche Hygieneregeln gelten bei einem Face-to-Face Gespräch?
  • Gibt es Online-Assessments?
  • Wie läuft das Onboarding ab?
  • Wie lernt ein Kandidat zukünftige Kollegen kennen (z. B. per Online Meeting)?
  • Wie verläuft die Unterzeichnung des Arbeitsvertrags?
  • Arbeitet der Bewerber zunächst im Home Office?
  • Gibt es ggf. im Zuge der Corona-Krise bessere Home Office Optionen?

Sollte es in der Corona-Zeit voraussichtlich zu einer längeren Feedbackzeit kommen, können Unternehmen darauf hinweisen. Eine Möglichkeit besteht darin, regelmäßige Feedbackmails zu versenden. Das lässt sich in einer entsprechenden Software automatisiert tun, d. h. ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand. Bewerber erhalten dann die Sicherheit, dass sie nicht vergessen worden sind.

Content für die Karriereseite

Die Corona-Zeit bietet einen Pool an neuen Themen, die Arbeitgeber aufgreifen können. Zum Beispiel fragen sich viele Bewerber, wie sie sich auf ein Telefon- oder Videointerview vorbereiten sollen. In puncto SEO können Unternehmen vorausschauend agieren und Stichworte nutzerrelevant aufgreifen. Die Analyse mit Google Trends bietet eine schnelle Möglichkeit, die Häufigkeit von Keywords zu prüfen. Vielleicht ist die Krise auch eine Chance, Recruiting-Prozesse langfristig umzustellen oder zu ergänzen. Neue Möglichkeiten im digitalen Recruiting werden derzeit ausgelotet. Funktionieren sie gut, kann das ein Anlass sein, neue Prozesse zu etablieren. Entsprechender Content auf der Karriereseite (z. B. zu Videokonferenzen und Home Office Optionen) ist dann auch nach Corona noch informativ.

Fazit

Die Corona-Krise ist auch für Bewerber eine Ausnahmesituation. Viele scheuen es, überhaupt eine Bewerbung abzuschicken. Ist es sinnvoll, sich während der Pandemie zu bewerben? Erhalten Kandidaten Feedback – und wenn ja, verzögert? Wie sieht der Bewerbungsprozess ohne Face-to-Face Kontakt aus? Die Sorge vor der Bewerbung können Arbeitgeber ihren Kandidaten z. B. über informativen Online-Content nehmen, etwa mit einer FAQ-Rubrik auf der Karriereseite.

Quelle Foto: © fizkes / Adobe Stock

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Farid Jammali

Farid Jammali ist Leiter Marketing und Spezialist im Bereich Inbound-, UX- und Performance-Marketing mit Studienabschluss in International Marketing.

02.04.2020 Ruhe vor dem Sturm in den Pflegeeinrichtungen?

Kurzarbeit? Das kann auch Pflegekräften passieren

Pflegekräfte in Kurzarbeit schicken wegen der Corona-Krise? Klingt paradox, ist aber für private Träger wie Paracelsus und die Schön Klinik schon ein Thema

Einerseits bemühen sich Kliniken und diverse Initiativen Aussteiger (die stille Rerserve), für Einsätze in der Corona-Krise zu gewinnen. Andererseits ist jetzt häufiger von Kurzarbeit in der Pflege zu hören. Wie passt das zusammen?

Elektive Operationen abgesagt oder verschoben

Zunächst: Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben die Krankenhäuser aufgefordert, planbare (elektive), nicht absolut drängende Eingriffe wie endoprothetische Operationen aufzuschieben, um damit Platz zu schaffen für den erwarteten Anstieg bei den Covid-19-Patienten. Die meisten Kliniken haben also ihren OP-Betrieb reduziert (manchmal sogar eingestellt) und teilweise ganze Stationen leergeräumt, auf denen ab sofort separat Corona-Patienten behandelt werden könnten.

Experten rechnen nach Ostern mit Corona-Höchststand

Doch die Zahl der Corona-Infizierten schwankt stark innerhalb Deutschlands. Während manche Klinik in München wegen zahlreicher Covid-19-Patienten augenblicklich niemanden mehr aufnehmen kann, ist die Lage in anderen Teilen Deutschlands, etwa Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern, noch recht entspannt. Laut Experten steht Deutschland erst am Anfang der Krise. Die Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) rechnet nach Ostern mit einem Höchststand bei Covid-19-Patienten.

Seegeberger Kliniken Gruppe: Rehakliniken leiden besonders

Zurzeit fällt also in manchen Krankenhäusern weniger Arbeit für Ärzte und Pflegekräfte an, außerdem gehen den Kliniken wegen der abgesagten Operationen Umsätze verloren (für die die Regierung in einem gewissen Rahmen Kompensationen angekündigt hat). So erstaunt es nicht, dass Kurzarbeit augenblicklich auch in den Kliniken ein Thema ist.

Zum Beispiel bei der Segeberger Kliniken Gruppe, dem größten privaten Klinikunternehmen in Schleswig-Holstein mit rund 2.000 Betten an den Standorten Segeberg und Norderstedt: Man sei zwar noch „in Diskussion“ mit dem Betriebsrat, sagt Pressesprecher Robert Quentin. Aber da die geplanten Reha-Behandlungen in der Psychosomatischen Klinik bereits komplett abgesagt werden mussten, dürfte vermutlich „eine dreistellige Personenzahl“ von Kurzarbeit betroffen sein, neben Psychotherapeuten, Psychologen und Servicepersonal auch Pflegekräfte. „Umschichten in andere Bereiche geht hier generell nicht“, sagt Quentin.

Auslastung in Rehakliniken in Bad Waldsee hat sich halbiert

„Auch Städtische Rehakliniken beantragen Kurzarbeit“: so titelte jüngst die Schwäbische in Bad Waldsee. Die Kliniken sind mit 450 Mitarbeitern der drittgrößte Waldseer Arbeitgeber. Es sei „ein vorsorglicher Schritt“ in der Corona-Krise. Die Auslastung der Kliniken sei bis Ende März massiv auf die Hälfte zurückgegangen. Klinikdirektor Peter Blank bedauert dem Blatt zufolge, dass es den öffentlichen Unternehmen wie den Städtischen Kliniken derzeit noch nicht möglich sei, der negativen Entwicklung mit Hilfe von Kurzarbeit gegenzusteuern. Es sei hier „dringend notwendig, dass sich die Tarif-Vertragsparteien auf eine Öffnung einigen“. Man habe sich „trotzdem entschieden, Kurzarbeit zu beantragen“, um sich „vorsorglich alle Alternativen offenzuhalten“.

Auch der private Träger Schön Klinik – mit 14 Kliniken und 12 medizinischen Versorgungszentren in ganz Deutschland vertreten – rüstet sich für Kurzarbeit. „Rund die Hälfte unserer Betten in den Kliniken stehen leer“, schreibt Sprecherin Astrid Reining. Auch hier spielt die Absage geplanter Behandlungen die Hauptrolle, die Umsätze seien „deutlich zurückgegangen“. Man habe sich für eine finanzielle Erstattung durch die Bundesregierung engagiert, aber der Pauschalbetrag von 560 Euro sei nicht kostendeckend.

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01.04.2020 Corona – Das Robert Koch Institut informiert

Inzwischen sind in allen Bundesländern Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) bestätigt worden. Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein und stellt Empfehlungen für die Fachöffentlichkeit zur Verfügung.

Das Robert-Koch-Institut informiert täglich über die Entwicklungen in der Coronakrise
Zeitarbeit in der Pflege

23.03.2020 Zeitarbeit in der Pflege hält sich bereit

Deutschlandweit steigt der Bedarf an Leiharbeitern in der Pflege. In Berlin bemerken die Zeitarbeitsfirmen aber keine erhöhte Nachfrage. Noch nicht.

Coronakrise verschlimmert den Pflegenotstand in deutschen Kliniken.

Die Krankenhäuser in Deutschland sollen ihre Behandlungskapazitäten wegen des Coronavirus ausbauen. Gleichzeitig wird Pflegepersonal nach dem Kontakt mit infizierten Patienten nach Hause in Quarantäne geschickt und es fällt Pflegekräften mit Kindern immer schwerer, die Betreuung der Kleinen zu organisieren.

Vor diesem Hintergrund steigt offenbar die Nachfrage nach Leasingkräften in der Pflege deutlich an. Das bestätigt Alexander Muschalle, Geschäftsführer der Berliner Firma InSitu. Sie ist nach eigenen Angaben das größte Vermittlungsportal in Deutschland, das Auftraggeber und Leiharbeitsfirmen in der Pflege zusammenbringt. Man verzeichne einen starken Preisanstieg bei Verträgen außerhalb der Plattform. „Ich will nicht von Preissteigerungen wie bei Atemmasken sprechen, aber es ist signifikant.“

Vermittler friert die Preise für Leasingkräfte ein

Man habe deshalb entschieden, die Preisobergrenze in der jetzigen Höhe einzufrieren. „Damit unterstützen wir jene Zeitarbeitsfirmen, die die Lage erkennen und versuchen den Markt zu beruhigen, indem sie auf Preissteigerung verzichten“, sagt Muschalle.

Die Preisobergrenze für die mit ihr kooperierenden Zeitarbeitsfirmen hatte InSitu Ende Januar angekündigt. Demnach sollten die Löhne für geleaste Pflegekräfte, von einem kleinen Flexibilitätsbonus abgesehen, nicht höher liegen als das Tarifentgelt für das Stammpersonal. Bis dato verdienten Leiharbeitskräfte in Berliner Krankenhäusern für die gleiche Arbeit und ohne starres Schichtsystem teilweise fast ein Drittel mehr als fest angestelltes Pflegepersonal.

Berlin habe an dieser Front noch etwas Ruhe, sagt Muschalle, dessen Firma nach eigenen Angaben 80 Prozent des Berliner Marktes für Leasing-Pflegekräfte in den Kliniken überblickt. Zum einen sei hier die Zahl der Infektionen noch relativ gering und zum anderen die Versorgungsdichte sehr hoch. Offenbar würden die Krankenhäuser genau das tun, was die Politik von ihnen erwartet: ihre Ressourcen zusammenziehen und sich auf die Versorgung schwer und akut kranker Menschen konzentrieren, auch durch die Verschiebung planbarer Operationen.

In Baden-Württemberg sucht ein Pflegeheim dringend Mitarbeiter

Diesen Eindruck bestätigt die Berliner Zeitarbeitsfirma Anbosa, die auf die Überlassung von Pflegekräften in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern und Pflegeheimen spezialisiert ist. „Die Nachfrage nach Pflegefachkräften hat sich in unserem Unternehmen durch die Coronakrise nicht verändert“, sagt Geschäftsführer Andreas Worch. Man habe aber eine Anfrage eines Trägers aus Baden-Württemberg, der für fünf Altenpflegeeinrichtungen Personal suche.

„Offensichtlich fehlen dort Pflegefachkräfte, weil ein Teil der Belegschaft direkt an Covid-19 erkrankt ist“, sagt Worch. „Aber bezogen auf den Vorjahreszeitraum haben wir weder eine größere Nachfrage nach Gesundheits- und Krankenpflegern, noch nach Altenpflegern.“ Aktuell gebe es keine Steigerung der Nachfrage, heißt es auch beim Berliner Unternehmen Talea, das ambulante Pflegedienste und eine Einheit für Personalleasing betreibt.

Die Nachfrageruhe in Berlin werde nicht anhalten

Die auf Pflege spezialisierte Berliner Zeitarbeitsfirma Flexxicare registriert zurzeit sogar eine rückläufige Nachfrage nach Leasingpersonal. „Wir liegen derzeit unter den Vorjahren“, sagt Inhaber Harald Danneberg. Da die Kliniken die planbaren Eingriffe jetzt verschieben, kämen sie mit ihrem Stammpersonal zurecht. Zudem gebe es gerade in Berlin ein Überangebot an Leasingfirmen. Und schließlich hätten die hohen Preise in der Vergangenheit den Markt nachhaltig „kaputtgemacht“. Aber die Nachfrage werde wieder steigen – „Das ist die Ruhe vor dem Sturm.“

Dass diese Ruhe in Berlin voraussichtlich nicht anhalten werde, glaubt auch der Geschäftsführer von InSitu. Spätestens Ende März erwartet Alexander Muschalle einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Denn dann würden die Kapazitäten der Kliniken unter dem Ansturm von Covid-19-Patienten und Erkrankungsfällen beim eigenen Personal an ihre Grenzen kommen, vermutet er. Und in dem Augenblick stünden dann wohl auch die Preisobergrenzen der Vermittler unter Druck.